Die Klinke
Neulich hab ich irgendwo gelesen, dass die Menschen ihre Gewohnheiten brauchen. Dinge, die sie immer wieder genau so machen. Dinge, die sich niemals verändern, egal was passiert. Dadurch würden wir mit dem Leben irgendwie besser klar kommen, hat in dem Buch gestanden.
Carina zum Beispiel geht immer eine Rauchen, nachdem sie mein Bett frisch bezogen hat. Von Picasso weiß ich, dass er malt, wenn er sich schlecht fühlt. Und Professor Müller fährt einmal im Jahr in die Schweiz zum Bergsteigen, hat er mir erzählt. Ja, sogar Frau Dux hat eine Angewohnheit. Sie züchtet seltene Pflanzen, die es hier nicht gibt.
Ich hab mir auch etwas angewöhnt. Immer wenn ich geschlafen hab und die Augen aufmache schau ich als erstes auf die Türklinke. Immer wenn ich sie sehe, weiß ich, ich bin noch da. Und solange ich noch da bin, glaube ich, dass ich irgendwann wieder rauskomme, hier aus diesem Zimmer. Egal, was die Ärzte sagen. Die Klinke ist meine Hoffnung.
So hab ich das auch heute gemacht, als ich nach dem Mittagsschlaf wach geworden bin. Ich hab die Augen aufgemacht und nach der Türklinke geschaut. Aber es war nicht wie sonst. An der Klinke hing nämlich etwas dran. Ein kleiner brauner Sack. Erst hab ich mich gefreut. Ich hab gedacht, der Nikolaus ist dieses Jahr zu früh dran.
Ich bin aus dem Bett geklettert, bin in meine Hausschuhe geschlüpft und bin die paar Schritte bis zur Tür gegangen. Unterwegs ist mir ein bisschen schwindelig geworden, aber ich hab mich auf den Beinen halten können. Ich war ja auch so neugierig, was in dem Sack drin ist. Vielleicht ein Geschenk? Von Björn? Der wollte mir doch was zum Nikolaus schenken!
Ich hab den Beutel aufgemacht und ganz vorsichtig reingefasst. Drin war etwas, das sich angefühlt hat wie kleine flache Scheiben. Aber ich konnte nicht richtig erkennen was es ist. Ganz vorsichtig hab ich eine der Scheiben aus dem Sack genommen. Es war ein Foto, auf das etwas drauf geschrieben war. Mit der Hand. Ein Foto von einem Baum.
Das war der Moment, in dem mir der Sack aus der Hand gefallen ist. Denn ich hab ihn wieder erkannt, den Baum. Es ist der Baum hinter dem ich mich versteckt hab. Der Baum, den ich gesehen hab, als die Lampe geflackert hat. Der Baum, hinter dem ich gestanden hab, als der Mann gestorben ist.
Ich hab Angst. Ich fürchte mich davor, was noch in dem Sack drin ist. Ich traue mich nicht da noch mal rein zu fassen. Und ich fürchte mich vor dem Unbekannten, der heute in Nachmittag in meinem Zimmer war, der meine Klinke angefaßt hat. Woher weiß er, wer ich bin? Und wieso kennt er die schrecklichen Bilder in meinem Kopf?

(Anonym)
Die Fotos
zeig uns doch mal die Fotos.
Das wäre ungeheuer hilfreich.
Dein Morpheus
(Anonym)
Geschenk
ich war das nicht mit dem Geschenk, ich weiß ja nicht in welchem Krankenhaus Du liegst und ich würde Dir nur was schenken, was Dir Freude bereitet. Ich hab auch schon eine kleine Freude für Dich organisiert.Aber die bekommst Du erst am Nikolaus. Dein Geschenk für mich ist übrigens immer noch nicht angekommen. Ist wohl doch verloren gegangen. Das wäre aber sehr sehr schade.
Lieben Gruß Björn!