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Dezember 2007

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Die Schatten auf meiner Seele

Picasso hat mir mal erzählt, was er tut, wenn er traurig oder verzweifelt ist. Er malt. Es hilft, wenn man sich die Schatten  von der Seele zeichnet, hat er mal zu mir gesagt. Heute Nacht als ich mich nicht getraut hab einzuschlafen, hab ich an ihn gedacht. Ich hätte so gerne mit ihm geredet, aber Picasso hat diese Woche Urlaub. Mitten in der Nacht bin ich aufgestanden und hab die Stifte aus dem Schrank genommen, die er mir geschenkt hat. Ich hab versucht die schrecklichen Bilder zu zeichnen, damit ich sie wieder loswerde. Aber sie werden immer deutlicher, sobald ich meine Augen zu mache.

In Karlshorst musste ich mal die Glühbirne im Keller wechseln. Keiner von uns wollte da runter. Wir haben alle Angst gehabt. Wir haben Streichhölzer gezogen und mich hat’s erwischt. Es war unheimlich. Von der Decke hing eine nackte Birne an einem Draht. Sie hat ausgesehen wie ein Tennisball. Und sie hat Geräusche gemacht. So wie wenn Jonas mit seinen Fingerknöcheln knackt. Genauso hat sich das angehört. Die Lampe ging an und aus, und jedes Mal hat es geknackt. Ich hab natürlich genau gewusst: Auf der einen Seite hängt die Bettwäsche zum Trocknen, mit den Handtüchern. Und auf der anderen stehen die Körbe mit unseren Hosen und T-Shirts. Aber das Licht hat doller gezittert als ich selbst, und ich hab Angst gehabt, hinter den Laken würde ein Mann stehen und mich holen.

Wenn ich die Augen zu mache und an meine Rückführung denke ist es so wie an dem Tag im Heim. Die schmutzige Lampe flackert. Knack, knack. Immer wenn es hell ist, sehe ich kurz diese Bilder. Ich sehe wie ich niederknie an einem ruhigen Ort. Ganz in der Nähe ist eine Straße. Und ein hoher Schornstein. Dann gehe ich einen langen Tunnel entlang. Am Ende des Tunnels treffe ich auf einen Mann. Der Mann hat einen Anzug an und wartet auf mich in einem alten Haus. Ich gehe hinein und rede mit ihm. Plötzlich fängt der Mann an zu lachen. Ganz laut. Er hört gar nicht mehr auf. Ich weiß nicht über was der Mann lacht. Als er sich zu mir umdreht, trete ich von hinten an ihn heran. Ich lege ihm ein Seil um den Hals und drücke zu. Ganz langsam, bis der Mann nicht mehr atmet.

Was sind das für Bilder?  Wo kommen die her? Bin ich einem Albtraum gefangen, der kein Ende hat? Bin ich gar nicht hier in meinem Zimmer, sondern immer noch in der Praxis bei Dr. Tiefensee, gefangen in der Hypnose? Sind das Bilder aus meinem früheren Leben? Oder kommt das alles bloß von dem Ding in meinem Kopf? Am Liebsten würde ich mich selbst auf den Weg machen und den Ort suchen, den ich sehe, wenn ich die Augen schließe. Horatio Caine würde das schließlich auch tun. Wenn ich wirklich einen Menschen getötet hab, dann ist er ja vielleicht noch dort, in dem alten Haus. Aber ich bin viel zu schwach. Carina hat richtig Ärger bekommen mit Professor Müller wegen unserem Ausflug an meinem Geburtstag. Er hat wohl doch nichts davon gewusst. Wenn ich ihr jetzt von den Bildern und Schatten erzähle wird sie ganz bestimmt noch mehr Ärger kriegen. Wer kann mir bloß helfen?

Comments

(Anonym)

Helfende Hand

Horatio -

wow, jetzt schreibe ich Dir sogar zweimal an einem Tag! Wer hätte das gedacht?

Zunächst mal kann ich Dir versichern, daß Du nicht in einem Alptraum gefangen bist. ich bin nämlich ziemlich sicher wach (und auf der Arbeit), und da ich Deine Blog-Einträge lesen kann, befindest Du Dich in der Realität.

Zum anderen bin ich ganz sicher, daß unsere Berliner Freunde, die Deinen Blog ja auch verfolgen, an Deiner Stelle auf die Suche nach diesem Ort gehen werden. Du mußt aber schon versuchen, uns noch ein paar mehr Anhaltspunkte zu geben ... siehst Du irgendwo Straßenschilder, wenn Du an den unheimlichen Ort denkst? Oder sonst irgendwelche Schilder oder Schrifttafeln? Oder hörst Du ein bestimmts Geräusch? Oder ist da sonst was auffälliges?

Nur die Ruhe, wir sind bei Dir und stehen das zusammen durch.

Dein Morpheus

(Anonym)

Lieber Horatio,

das sind wirklich schlimme Bilder, die du da siehst, und sie dir "von der Seele zu malen" ist auf jeden Fall eine wichtige und richtige Sache!

Wo die Bilder genau herkommen, ist schwer zu sagen. In der Hypnose gefangen bist du sicher nicht mehr - sonst könntest du ja keinen Blogeintrag schreiben, den wir lesen können.
Das "Ding in deinem Kopf" könnte etwas damit zu tun haben, muss aber gar nicht. Ich bin sicher, dass sich in jedem von uns solche dunklen Bilder verstecken, die unser Unbewusstes aus unseren Ängsten, unserem Ärger, und verschiedensten Erinnerungen zusammenstrickt - das Gehirn nimmt einfach viel mehr auf, als uns klar ist. Dass es Bilder aus einem früheren Leben sind, ist damit auf jeden Fall noch längst nicht gesagt.

Was du aber wirklich auf keinen Fall tun solltest, ist dich selbst auf die Suche nach diesem Haus machen! Wie du schon selbst sagst: dafür bist du im Moment einfach zu schwach. Was ich stattdessen vorschlagen würde, ist Folgendes:

Wie du sicher schon gemerkt hast, sind hier viele Leute, die an deinem Leben und dem, was dir passiert, Anteil nehmen, und dir gerne helfen möchten. Wenn dir diese Bilder also keine Ruhe lassen, dann beschreib uns den Ort, den sie dir zeigen, so gut wie möglich. Wir können dann nachsehen und dir mit Sicherheit anschließend sagen, dass dort kein Toter liegt. Und wenn du meinst, uns nicht gut genug zu kennen, als dass du uns glauben kannst, was wir sagen - wie wäre es dann, wenn du Carina mitschickst? Wenn sie eine E-Mail-Adresse hat, können wir uns mit ihr in Verbindung setzen und was ausmachen.

Was meinst du - würde das helfen?

Auf jeden Fall wünsche ich dir, dass die finsteren Bilder bald verschwinden und du wieder in Ruhe schlafen kannst. Schlaf ist wichtig, vor allem, wenn man krank ist.

Alles, alles Gute!

Sibee

Mut

Lieber Sibee,

deine Worte trösten mich wirklich sehr. Ja, ich hab gemerkt, dass mich auf einmal viele Leute besuchen kommen. Meinst du, jemand von den Leuten würde wirklich zu dem Ort gehen vund nachsehen? Es würde mir jedenfalls sehr helfen. Es ist ja immer besser zu wissen woran man ist, als wenn man im Dunkeln tappt. Vielleicht kann ich ja dann bald wieder besser schlafen

Tschüss,
dein Horatio

PS: Ich hab sechs Bilder gemalt. Ich hoffe das reicht, um den Ort zu finden.

(Anonym)

Re: Mut

Horatio, magst du die anderen Bilder aus ins Blog stellen?

Viele Grüße, Matthias

(Anonym)

Wo?

Hi Horatio!

Kannst du vielleicht noch mehr Angaben zum Ort machen? Schornsteine gibt es ja sehr viele in Berlin.

Viele Grüße, Matthias

(Anonym)

DU BRAUCHST HILFE

Hi Horatio,

ich hoffe Du hast bereits gehört, dass an dem von Dir gezeichneten Ort eine Leiche entdeckt wurde.
Es ist eine Frage der Zeit bis die Staatsanwaltschaft auf Dich zukommt, um zu wissen wie Du das wissen konntest.
Aber keine Angst, die sind von der objektivsten Behörde der Welt und Du bist ja noch unter 14 Jahren, oder?; daher können sie Dich nicht bestrafen wollen - nur befragen.