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Dezember 2007

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Pandoras Büchse

Hätte ich doch nur auf Jonas gehört. Wäre ich doch bloß nicht so ungeduldig gewesen mit dem Geschenk. Vielleicht hätte ich es dann aufhalten können. Vielleicht wäre es gar nicht rein gekommen. In mein Zimmer, in meinen Kopf, in meine Welt. Das Böse und Schreckliche, das mich jetzt umgibt.

Dabei hat mein Geburtstag noch so schön angefangen. Mit dem Geschenken, dem Ständchen und den Glückwünsche von meinen Freunden. Als ich mit Carina in dem kleinen Cafe gesessen hab, hat sie es mir endlich verraten. Wir haben Käsekuchen gegessen und dabei hat sie es mir erzählt, was die Überraschung ist. Eine Reise. In mein früheres Leben.

Ich hab mich riesig gefreut. Über Rückführungen hab ich ja schon viel gelesen.  Wir sind dann rüber gegangen in die Praxis von Dr. Tiefensee. Das ist der Arzt, bei dem ich die Reise gemacht hab. Seine Praxis ist in einem tollen Haus gleich um die Ecke von dem Cafe wo ich mit Carina war.

Der Doktor war sehr nett zu mir und hat mir erst mal eine heiße Milch mit Honig gemacht. Dann musste ich meine Schuhe ausziehen und mich auf eine Matratze legen. Carina war dabei und hat mich mit zwei Decken gut eingepackt. Es war richtig gemütlich und ich war sehr gespannt.

Dann hat der Doktor geredet. Unglaublich lange. Seine Stimme war sehr sanft und schön. So wie der Typ auf meinen Hörspielen. Er hat mir viele Fragen gestellt. Nach meinen schönsten Erlebnissen. Wo es mir mal gefallen hat. Dann sollte ich nur noch an den tollsten Ort auf der Welt denken und meine Augen schließen.

Plötzlich bin ich sehr müde geworden. Und irgendwann hat mich der Doktor gefragt, ob ich einen großen Schalter sehe. Ich sollte in meinen Gedanken den Schalter mit Klebeband festdrücken, damit er nicht immer wieder zurückflutscht. Das hat geklappt. Der Schalter hat gehalten und ich bin in einen Fahrstuhl gestiegen.

Im Fahrstuhl war ein Schild mit vielen Knöpfen. Ich durfte mir einen aussuchen. Ich hab auf die Elf gedrückt. Dann ruckelte es und ich fuhr nach unten. Sehr lange. Als die Tür endlich aufgegangen ist, hab ich einen Schritt nach vorne gemacht, bin ausgestiegen und hab ich mich umgeschaut. Aber ich sah überhaupt nichts. Alles war schwarz um mich herum.

Ich bin wohl eingeschlafen. Einfach so. Als ich wach geworden bin war es draußen schon dunkel. Ich wusste erst gar nicht wo ich war. Erst als ich Carina und den Doktor gesehen hab, ist es mir wieder eingefallen. Und auf einmal waren sie da. Diese Bilder und Stimmen. Drin in meinem Kopf . Ganz verschwommen. Wie wenn man kurz vor dem Aufwachen ist.

Ich hab erst gedacht, ich hätte einen Albtraum gehabt während der Rückführung. Aber dann in der Nacht sind sie wieder gekommen. Sie werden immer deutlicher. Jedes mal wenn ich schlafe. Es sind schreckliche Bilder. Sie machen wir Angst. Ich hab schon versucht sie zu zeichnen. Haben Sie etwas mit meinem früheren Leben zu tun? Oder sind es nur Träume?

Carina hab ich nichts davon erzählt. Sie hat es doch nur gut gemeint mit der Überraschung. Sie wollte mir zeigen, dass danach noch was kommt. Ich bin selbst Schuld an allem. Wäre ich bloß nicht so neugierig gewesen. Ich bin müde, aber ich traue mich nicht einzuschlafen. Ich fürchte mich so, besonders vor den Stimmen.

Comments

(Anonym)

Lieber Horatio!

Schade das dein Geburtstag nicht so zu Ende gegangen ist, wie er angefangen hat.
Magst du vielleicht erzählen was das für Bilder sind, die du siehst? Manchmal hilft es sehr darüber zu sprechen.

Gehst du nochmal mit Carina zu Dr. Tiefensee?

Ich denke schon das du Carina davon erzählen solltest.

Viele Liebe Grüße und lass bald wieder von dir hören
Ines
Liebe Ines,

ich weiss nicht, ob ich nochmal zu Dr. Tiefensee gehen will. Obwohl er ja eigentlich nett zu mir war. Netter als Professor Müller. Und auf der blauen Matratze war es wirklich gemütlich. Bestimmt kann er auch gar nichts dafür, dass ich die Bilder sehe. Ich bin selbst an allem Schuld.

Tschüss,
dein Horatio

(Anonym)

Lieber Horatio,

erst mal möchte ich Dir sagen, das es beruhigend ist wieder von Dir zu hören (bzw.zu lesen) - ich hatte mir schon Gedanken gemacht als Du dich jetzt knapp 2 Tage nicht gemeldet hast.
Vor den Dingen (Bilder/Träume) die Du beschreibst würde sogar ich mich (als "Erwachsener") fürchten. Darum kann ich mich der Ines nur anschließen und Dir ernsthaft raten mit einer Person deines Vertrauens darüber zu reden (ich glaub die Carina wird immer ein offenes Ohr für dich haben). Das Reden und der Beistand eines Menschen kann in solchen Not- oder Krisensituationen sehr befreiend und hilfreich sein. Aber letztlich musst Du selbst entscheiden, was für dich am besten ist (ich kann Dir nur sagen wie ich handeln würde).
Bleib stark..ich denk an Dich..
Liebe Grüße vom Ingo

(Anonym)

Lieber Ingo,

du hast recht, aber ich weiss nicht mit wem ich reden reden soll. Carina geht nicht, weil sie dann bestimmt wieder weint. Sie wollte mir doch eine Freude machen, nicht noch mehr Kummer. Und meine Muttter will ja nichts mehr von mir wissen. Aber vielleicht kannst du mir helfen? Wo wohsnt du denn? Hier in Berlin?

Tschüss,
Horatio

(Anonym)

Hallo Horatio,
ich kenn das. Ich hab auch schon mal was geträumt, was ich nicht träumen wollte. Je mehr ich mich dagegen wehrte desto öfter und intensiver wurde der Traum. Es war dann schon so, daß ich mich im Traum gegen die Bilder wehrte. Als ich es meinem Freund erzählte und er sagte, ist doch nicht schlimm und ich soll mich nicht verrückt machen, war der Traum weg.
Vielleicht hilft es Dir auch, mit jemanden darüber zu sprechen. Und warum nicht mit Carina, sie war doch dabei und versteht Dich bestimmt.
Tina

Böse Träume weg agen

Hallo Tina,

so ein Glück für dich, dass du den bösen Traum los geworden bist. War es sehr schlimm? Hast du darin auch einen Menschen getötet?

Mit Carina kann ich leider nicht sprechen. Aber vielleicht hilft es ja auch, wenn wir uns schreiben.

Erzähl mir ruhig, wenn du wieder was Schlimmes träumst. Du bist nicht allein.

Tschüss,
dein Horatio

(Anonym)

Hallo Horattio,
nee - einen Mann habe ich nicht getötet. Mein Traum war gegenüber Deinem Traum harmlos. Nur für mich war er sehr doof. Vermutlich meldete sich da mein Unterbewußtsein und ich wollte nicht akzeptieren, was für Gedanken ich habe.
Jetzt, wo Du Deine Bilder zeigst und auch von Deinem Traum erzählt hast, verstehe ich Deine Ängste. Glücklicherweise gibt es ja Leute, die Dir helfen wollen und bestimmt auch können.
Gute Nacht und ich wünsche Dir schöne Träume,
Tina

(Anonym)

Die Bilder und die Stimmen

Lieber Horatio,
(verzeih, wenn ich bei dem von Dir gewählten Namen bleibe - ich tue es ja auch),

wie Du vielleicht weißt (auch wenn Du noch nicht bei "M" im Lexikon bist), habe ich meinen Namen dem Halbgott der Träume entliehen.
Von daher bist Du mit Deinen neugewonnenen Problemen auf einem mir sehr vertrauten Terrain ...
Die von mir sehr verehrte Sängerin Tori Amos singt an einer Stelle "Where's the Dreamking/When you need him" ... also "Wo ist Morphes, wenn man ihn braucht?"
Damit es Dir nicht ähnlich ergeht, biete ich Dir an, mir von den angstmachenden Stimmen zu erzählen. Geteilte Angst ist halbe Angst.
Wenn Du magst, werfe ich auch gern einen Blick auf Deine Malversuche.
Du weißt ja, wie Du mich erreichst.


Dein Morpheus