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23. Nov 2008

Erinnerungen

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Ein Jahr ist es nun her, dass ich hier war im Westendkrankenhaus. Wie unverändert alles ist: der typische Duft nach Reinigungsmitteln in den Gängen, mein kleines Zimmer, sogar Professor Müller. Genauso griesgrämig wie immer. Es war ein Jahr, von dem ich nicht viel mitbekommen hab. Nach meinem Zusammenbruch war ich gefangen in einer anderen Welt. In einer Welt ohne Tag und ohne Nacht. Ohne Freude, ohne Sorgen. Eine Welt ohne Träume.

Irgendwann haben sie mich dann woanders hin verlegt. Ich hab davon überhaupt nichts mitgekriegt. Die Ärzte haben mich eigentlich längst aufgegeben. Aber eines Tages, vor ein paar Wochen,  hab ich dann plötzlich die Augen aufgeschlagen. Carina und Robert saßen zufällig gerade an meinem Bett. Sie haben geweint vor Freude. Carina hat mir später erzählt, dass ich mich als Erstes erkundigt hätte, was mit meinen Freunden draußen am See passiert ist.  Ich war ziemlich verwirrt.

Noch bin ich sehr schwach, sitze im Rollstuhl und die Ärzte erlauben mir fast gar nichts. Umso glücklicher war ich, dass sie heute einem kleinen Ausflug zugestimmt haben. Carina hat einen Freund aus Hamburg zu Besuch. Er ist Arzt. Wir haben zusammen eine Spazierfahrt gemacht. Gestern hat es hier zum ersten Mal geschneit. Ich liebe es wenn die Welt so aussieht wie in der Schneekugel von Jonas. Besonders die Bäume haben es mir angetan. Sie sehen einfach wunderschön aus mit ihren weißen Ästen.

Ich habe Fotos mit meinem neuen Handy gemacht. Carina hat es mir mitgebracht. Ich habe ja bald Geburtstag und sie meinte, diesmal wollte sie mir lieber was Praktisches schenken. Jetzt kann sie mich immer erreichen. Gerade sitze ich hier in meinem Zimmer von damals. Es ist nicht belegt und ich hab wieder Carinas Laptop auf meinen  Beinen liegen. Wenn das die Ärzte wüssten. Haben sie mir nämlich auch verboten. Aber die Gelegenheit konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen.

13. Dez 2007

Mein Geständnis

Heute Abend hab ich es nicht mehr ausgehalten. Eigentlich hab ich mir fest vorgenommen, es ihr nie zu sagen. Ich wollte doch nicht, dass sie traurig ist. Und dass sie weint. Wegen mir. Ich wollte es für mich behalten. All das, was passiert ist nach dem ich bei Doktor Tiefensee war. Ich wollte nicht darüber reden. Nicht mit ihr. Über die schrecklichen Bilder und Stimmen.

Ich weiß, ihr wolltet ja, dass ich es viel früher tue. Aber ich hab mich die ganze Zeit nicht getraut. Heute Abend hab ich es dann doch gemacht. Ich hab Carina alles erzählt. Ich hab ihr gesagt, was ich gesehen hab. Dass ich mich schuldig fühle und dass ich dafür die Verantwortung übernehmen muss. 

Carina hat sehr traurig ausgesehen und ich glaube, sie hätte fast angefangen zu weinen. Aber dann hab ich ihr gesagt, dass ich weiss, wie sie mir helfen kann. Und hab ihr von meiner Idee erzählt auf die mich lawdwarf gebracht hat. Als ich fertig war, hat Carina mich ganz lange angesehen. Dann hat sie mir über den Kopf gestreichelt und gesagt, dass ich ein tapfer kleiner Junge sei.

Sie sagte, sie kenne da jemanden, der mich verteidigen könne. Er sei der Beste auf seinem Gebiet. Robert. Der könne mir ganz bestimmt helfen. Versprechen könne sie mir nichts, denn Robert hätte immer viel zu tun. Aber sie sei ganz zuversichtlich, dass ich einen Termin bekomme. Sie würde ihn gleich anrufen.

Ich weiß nicht, ob sie es schon gemacht hat, aber ich werde sie gleich fragen, wenn sie rein kommt, um den Laptop zu holen. Ich hab so gehofft, dass ich eine Nachricht von euch bekomme. Das Letzte was ich gehört hab war, dass ihr die Sternwarte gefunden habt. Das war gestern. Ich mache mir solche Sorgen und Vorwürfe. Wenn ich bloß wüßte, was mit euch geschehen ist!

11. Dez 2007

Zeichen

Carina hat mir mal eine seltsame Geschichte erzählt. Es ging um ihre Tante. Sie hat sie sehr gemocht. Sie hat zu mir gesagt, dass sie immer eine ganz besondere Verbindung zu ihr gehabt hat. Auch wenn sie sich die beiden gar nicht so oft gesehen haben, denn sie hat in einem kleinen Häuschen am anderen Ende der Stadt gewohnt.

Eines Tages hat Carina zusammen mit ihren Eltern im Wohnzimmer gesessen. Sie waren gerade beim Mittagessen. Plötzlich hat es einen lauten Schlag gegeben. Erst wussten Carina und ihre Eltern gar nicht genau was los war. Aber dann haben sie auf dem Fußboden etwas liegen sehen. Eine Uhr, die diee Tante mal den Eltern geschenkt hat.

An der Stelle von der Geschichte hat Carina angefangen zu weinen und sie konnte erst mal gar nicht weiterreden. Und dann hat sie mir gesagt, dass ihre Tante am gleichen Tag gestorben ist. Der Arzt hat gemeint, es sei etwa um die Mittagszeit gewesen. Etwa zu der Zeit als die Uhr von der Wand gefallen ist

Carina meint, dass sich manche Dinge ankündigen im Leben, gute und schlechte. Man kann sie erkennen, wenn man wachsam ist. Omen. So hat sie diese Dinge genannt. Vorzeichen. Ich hab das Wort im Lexikon nachgeschlagen, obwohl ich noch gar nicht bei O war. Aber ich fand es sehr interessant.

Ich versuche immer wachsam zu sein. Und auf Dinge zu achten, ob ich Zeichen sehe, die etwas ankündigen. Ich weiß nicht ob es ein Zeichen ist, aber letzte Nacht bin ich plötzlich aus meinem Traum gerissen geworden. Es hat laut geknallt so wie damals in Carinas Wohnzimmer. Das Bild von dem Kometen. Es ist runter gefallen.

10. Dez 2007

Traurig und verzweifelt

Ich hab so gehofft auf gestern Abend. Es hat mir doch so geholfen, mich mit euch zu unterhalten am Freitag. Ich war neugierig, was ihr am Wochenende so alles gemacht habt. Und ich wollte natürlich auch wissen, ob ihr was rausgekriegt habt. Und ob ihr mir erklären könnt, was mein neuer schlimmer Traum zu bedeuten hat. Es ist mir nicht leicht gefallen, aber am Nachmittag hab ich es geschafft, mich wieder ein bisschen zu beruhigen.

Ich hab es sogar hingekriegt, Carina zu überreden, ausnahmsweise etwas länger zu bleiben, damit ich den Laptop benutzen kann. Um mich auf das Treffen mit euch einzustimmen, hat sie mir noch die zweite Kerze an meinem Adventskranz angezündet. Kurz vor Acht Uhr hab ich dann den Computer angeschaltet und die Nachricht von Morpheus gefunden. Ich fand es schade, dass ihr gestern keine Zeit für mich gehabt habt und ich war sehr traurig.

Heute geht es mir gar nicht gut. Ich bin verzweifelt. Es sind nur noch zwei Tage, dann ist Mittwoch. Der Tag, an dem ich es wieder tun werde. Das weiß ich genau. Ich hab es gesehen. Ich hab mir so gewünscht, die Wahrheit zu erfahren. Über mein voriges Leben. Über die beiden Männer, die ich schon umgebracht hab. Ich hab gedacht, damit kann ich es aufhalten. Das was Übermorgen passiert. Ihr wart meine letzte Hoffnung!

8. Dez 2007

Das Experiment

Ich muss Euch etwas erzählen. Aber das Tippen fällt mir schwer. Ich versuche die Tasten zu treffen, aber ich erwische sie kaum. Meine Hände zittern zu sehr. Vor Angst. Wenigstens ist Carina heute da, sonst könnte ich Euch gar nicht schreiben. Denn der Computer unten ist kaputt. Carina ist eingesprungen, weil die Nachtschwester krank geworden ist. Ich versuche mir bei ihr nichts anmerken zu lassen, aber ich weiß nicht ob es klappt.

Letzte Nacht hab ich das Experiment gemacht. Ich wollte ein guter Traumpilot sein. Ich hab mich vorbereitet, so gut ich konnte. Vor dem Einschlafen hab ich immer wieder die gleichen Worte vor mich hingeflüstert: Ich werde träumen und wenn ich einen Baum sehe, werde ich wissen, dass ich nur träume! Genau so wie Devona es mir gesagt hat. Und ich hab mir ganz fest vorgenommen aufzuwachen, wenn sie wiederkommen. Die schrecklichen Bilder.

Erst ist auch alles gut gegangen. Ich hab geträumt, dass ich fliege. Das war sehr schön. Ich bin einen weißen Strand entlang gesegelt. Es war der gleiche Strand, von dem ich neulich schon mal geträumt hab. Der mit den Palmen. Ich hab das blaue Meer und die Wellen wieder gesehen. Aber diesmal waren es keine Fetzen, alles war ganz klar und deutlich. Es hat sich angefühlt, als wäre ich wirklich da und nicht mehr in meinem Zimmer.

Doch auf einmal hab ich gemerkt wie ich die Kontrolle über meinen Flug verliere. Es war, als hätte heimlich jemand anders das Steuer übernommen. Ich hab nach unten geschaut und plötzlich veränderte sich alles. Das Wasser war nicht mehr blau, sondern tiefschwarz wie Tinte. Und da wo eben noch die Sonne am Himmel gestanden hat, war nun die schmale Sichel des Mondes. Etwas zog mich runter auf die Erde. Ich wollte nicht, aber ich konnte nichts dagegen machen. Knack, Knack.

Ich gehe einen Weg entlang. Mitten durch einen dunklen Wald. Ich sehe die vielen Bäume um mich herum und möchte sofort aufwachen. Aber es will mir nicht gelingen. Ich gehe weiter bis der Weg zu Ende ist und stehe am Ufer eines Sees. Der Wind pfeift. Ich schaue mich um, aber es ist so finster, dass ich die Hand vor meinen Augen nicht sehen kann. Plötzlich merke ich, dass mich jemand beobachtet. Aus dem Wald löst sich ein Schatten, der langsam auf mich zukommt.

Und mit einem Mal weiß ich, was gleich geschehen wird. Hier an diesem verlassenen Ort. Ich weiß, warum ich hergekommen bin. Und warum ich zurückgekommen bin auf die Erde. Ich hab damals nicht alles geschafft. Ich bin noch nicht fertig. Ich hab ein Zeichen bekommen. Einmal muss ich es noch tun. Töten. Ein letztes Mal. Und ich weiß auch wann. In vier Tagen. Am 12. Dezember. Hier an diesem See. Das ist mein Auftrag!

6. Dez 2007

Nikolaus



Ich hab heut leider nicht viel Zeit, weil Carina ihr Laptop braucht. Fünf Minuten hat sie mir erlaubt, dann muss sie weg. Ich wollte euch nur schnell zeigen, was ich Tolles zum Nikolaus bekommen hab. Ein Bild von Björn. Und einen Film noch dazu. Ich hab mich riesig gefreut! Danke Björn! Ich melde mich morgen wieder! Gute Nacht!

5. Dez 2007

Freunde in der Not

Als ich noch neu war in Karlshort, sind die anderen Kinder erst mal ganz schön gemein zu mir gewesen. Ich weiß noch wie mich Frau Dux vorgestellt hat an meinem ersten Tag und wie alle in der Klasse die Nase gerümpft haben. Na ja, ich hab halt auch damals schon ein bisschen komisch ausgesehen. Viel zu dünn und klein für mein Alter. Aber ich war ja auch schon krank damals.

Hinten links war noch ein Platz frei. Neben einem Jungen, der einen lustigen gelben Pullover angehabt hat. Ich hab mich neben ihn gesetzt und Frau Dux zugehört, die etwas über die Geschichte von Karlshorst erzählt hat. Mitten in der Stunde hat mir der Junge neben mir auf einmal eine Mandarine rüber geschoben auf die er mit einem Filzstift ein Brillengesicht gemalt hatte. Sah aus wie das Gesicht von Frau Dux und ich musste laut loskichern. So war das als ich Jonas kennen gelernt hab.

Wir haben uns von Anfang an echt super verstanden. Jonas und ich. Seine Eltern sind bei einem Autounfall gestorben als er sieben Jahre alt war und er hat keine Geschwister. Zum Glück bin ich mit ihm auch auf ein Zimmer gekommen. Wir sind ein gutes Team, er und ich. Ich hab ihm bei den Matheaufgaben geholfen. Und er mir beim Sport. Ich konnte ja nie so richtig mitmachen, weil mein Kopf immer so weh getan hat. Wenn die anderen mich deswegen gehänselt haben, ist Jonas wütend geworden und hat gesagt, die sollen mich gefälligst in Ruhe lassen.

Gestern wusste ich anfangs nicht, wie ich den braunen Sack hier raus bekommen soll. Ich hab erst an Picasso gedacht. Aber dem hätte ich dann alles erzählen müssen. Das mit den schrecklichen Bildern in meinem Kopf. Und der hätte es dann ganz bestimmt Carina weiter gesagt. Und dann hätte ich den Salat gehabt. Da hatte ich plötzlich die Idee mit Jonas. Ich hab ihm eine Nachricht geschrieben, er soll Frau Dux sagen, dass er heute wieder zum Fußballtraining geht, so wie neulich. Er wusste gleich bescheid.

Nach dem Mittagsessen stand er pünktlich wie abgemacht in meinem Zimmer. Er hat zu mir gesagt, dass er nur wenig Zeit hat und ich hab ihm kurz erklärt, was er machen soll. Auf der Rückfahrt am Ostkreuz kurz aussteigen und das Säckchen übergeben. Das Gute an Jonas ist, das er nicht so viele Fragen stellt. Auf ihn kann man sich wirklich verlassen, wenn man mal in der Klemme sitzt. Ich hab ihm dann noch gesagt, er soll elf Mandarinen in den Sack tun, aber ohne rein zu sehen. Als Nikolausgeschenk für meine Freunde, die versuchen mir zu helfen. Das fand ich sehr wichtig, denn ich wollte Euch damit etwas zeigen. Das ich das Gefühl hab, ich kann mich auch auf Euch verlassen. Hat das mit der Übergabe geklappt?

4. Dez 2007

Die Klinke

Neulich hab ich irgendwo gelesen, dass die Menschen ihre Gewohnheiten brauchen. Dinge, die sie immer wieder genau so machen. Dinge, die sich niemals verändern, egal was passiert. Dadurch würden wir mit dem Leben irgendwie besser klar kommen, hat in dem Buch gestanden.

Carina zum Beispiel geht immer eine Rauchen, nachdem sie mein Bett frisch bezogen hat. Von Picasso weiß ich, dass er malt, wenn er sich schlecht fühlt. Und Professor Müller fährt einmal im Jahr in die Schweiz zum Bergsteigen, hat er mir erzählt. Ja, sogar Frau Dux hat eine Angewohnheit. Sie züchtet seltene Pflanzen, die es hier nicht gibt.

Ich hab mir auch etwas angewöhnt. Immer wenn ich geschlafen hab und die Augen aufmache schau ich als erstes auf die Türklinke. Immer wenn ich sie sehe, weiß ich, ich bin noch da. Und solange ich noch da bin, glaube ich, dass ich irgendwann wieder rauskomme, hier aus diesem Zimmer. Egal, was die Ärzte sagen. Die Klinke ist meine Hoffnung.

So hab ich das auch heute gemacht, als ich nach dem Mittagsschlaf wach geworden bin. Ich hab die Augen aufgemacht und nach der Türklinke geschaut. Aber es war nicht wie sonst. An der Klinke hing nämlich etwas dran. Ein kleiner brauner Sack. Erst hab ich mich gefreut. Ich hab gedacht, der Nikolaus ist dieses Jahr zu früh dran.

Ich bin aus dem Bett geklettert, bin in meine Hausschuhe geschlüpft und bin die paar Schritte bis zur Tür gegangen. Unterwegs ist mir ein bisschen schwindelig geworden, aber ich hab mich auf den Beinen halten können. Ich war ja auch so neugierig, was in dem Sack drin ist. Vielleicht ein Geschenk? Von Björn? Der wollte mir doch was zum Nikolaus schenken!

Ich hab den Beutel aufgemacht und ganz vorsichtig reingefasst. Drin war etwas, das sich angefühlt hat wie kleine flache Scheiben. Aber ich konnte nicht richtig erkennen was es ist. Ganz vorsichtig hab ich eine der Scheiben aus dem Sack genommen. Es war ein Foto, auf das etwas drauf geschrieben war. Mit der Hand. Ein Foto von einem Baum.

Das war der Moment, in dem mir der Sack aus der Hand gefallen ist. Denn ich hab ihn wieder erkannt, den Baum. Es ist der Baum hinter dem ich mich versteckt hab. Der Baum, den ich gesehen hab, als die Lampe geflackert hat. Der Baum, hinter dem ich gestanden hab, als der Mann gestorben ist.

Ich hab Angst. Ich fürchte mich davor, was noch in dem Sack drin ist. Ich traue mich nicht da noch mal rein zu fassen. Und ich fürchte mich vor dem Unbekannten, der heute in Nachmittag in meinem Zimmer war, der meine Klinke angefaßt hat. Woher weiß er, wer ich bin?  Und wieso kennt er die schrecklichen Bilder in meinem Kopf?

3. Dez 2007

Neue Schatten

Heute Nacht hab ich es versucht. Ich wollte meine Träume lenken. So wie Ines es mir gesagt hat. Ich wollte noch mal hin zu dem dunklen Ort, um raus zu finden, wer der Mann ist, den ich getötet hab. Ich wollte nachsehen, was in seiner Zeitung steht. An der Stelle wo er etwas rot angestrichen hat.

Um Zehn bin ich plötzlich müde geworden. Fast wäre mir beim Lesen das Buch aus der Hand gerutscht. Bevor ich das Licht ausgemacht hab, hab ich mir noch mal meine Zeichnungen angesehen und versucht mich ganz doll auf den Ort zu konzentrieren. Ich weiß nicht wie lange ich so dagelegen hab. Aber irgendwann muss ich eingeschlafen sein. Denn da war es wieder, das Licht der Lampe. Es begann zu flackern, ganz schwach. Knack, knack.

Es ist dunkel um mich herum. Ich kann gerade so viel, erkennen, dass ich diesmal woanders bin. Nicht in dem Haus. Ich bin irgendwo im Freien. Ich stehe hinter einem Baum und beobachte einen Mann. Es ist ein anderer Mann. Da bin ich mir sicher. Er trägt keinen Anzug. Und er hält eine Flasche in der Hand. Auf einmal ist der Mann verschwunden. Ich weiß nicht wo er hin ist, ich höre nur wie eine Tür ins Schloss fällt.

Ein Moment lang ist es ganz still. Mir ist kalt und ich friere. In die Ferne bellt ein Hund. Ein Auto fährt nah an mir vorbei. Und dann ist da plötzlich dieses seltsame Geräusch. Es klingt so ähnlich wie beim Zahnarzt, wenn der einem mit seinen Geräten im Mund rumstochert. Ein lautes Röcheln. Ich höre wie der Mann versucht zu atmen, aber er kriegt keine Luft mehr. Es kommt nur noch ein lautes Pfeifen. Ich höre einen dumpfen Schlag. Wie wenn ein Tisch umfällt. Knack, knack.

Ihr habt es doch nur gut gemeint mit mir. Ihr wolltet mir helfen. Ihr habt mir erklärt, wie ich es anstelle, meine Träume zu lenken. Aber ich fürchte, ich hab es nicht richtig gemacht. Ich bin an einen anderen Ort gekommen. Einen Ort, an dem ich erfahren habe, das alles noch viel schlimmer ist. Seit letzter Nacht hab ich diesen furchtbaren Verdacht. Ich glaube, ich hab es nicht nur einmal gemacht. Nein, ich hab noch mehr Menschen getötet!

2. Dez 2007

Der lila Fleck

Ich glaub, ich hab heute eine wichtige Spur entdeckt! Sie war die ganze Zeit da, schon seit meiner Geburt. Ich meine die lila Stelle über meiner Hüfte. Picasso hat damals gelacht, als er sie zum ersten Mal gesehen hat. Wir waren im Bad und er hat mich gewaschen. Da hat er den dunklen Fleck entdeckt und gerufen: Hey, das Ding sieht ja aus wie Sylt!

Ich wusste nicht genau was er damit meint und was Sylt ist, weil ich doch da gerade erst angefangen hab mit dem Lexikon. Aber Picasso hat mir dann erklärt, dass Sylt eine Nordseeinsel ist mit schönen langen Stränden. Palmen gibt’s da wohl nicht dafür aber viel Wind. Picasso hat schon mal Ferien da gemacht und nur so geschwärmt.

Warum das so wichtig ist? Na ja, ich hab noch mal über alles nachgedacht. Über meinen Geburtstag und an das, was danach passiert ist. Mir ist noch etwas eingefallen. Bevor es losging mit der Rückführung hat Doktor Tiefensee von einem Freund und Kollegen erzählt. Ian aus Kanada. Er ist dieses Jahr gestorben und Doktor Tiefensee hat ganz traurig ausgesehen, als er von ihm gesprochen hat.

Der Doktor hat gesagt, dass dieser Ian sehr viel mit Kindern wie mir zusammengearbeitet hat. Leider steht in den Büchern, die ich hier hab nichts über ihn drin. Aber ich hab ihn heute im Internet gefunden. Er heißt Ian Stevenson und war ein bekannter Forscher.  Als ich heute von ihm gelesen hab, hat mein Herz plötzlich ganz laut angefangen zu klopfen. Er hat viele Beweise gesammelt, um der Welt zu zeigen, dass es die Wiedergeburt wirklich gibt. Dabei ist ihm etwas aufgefallen. Viele Kinder, die er untersucht hat, hatten seltsame Spuren am Körper. Narben, Missbildungen oder Muttermale! 

Die komische Stelle an meiner Hüfte war zwar schon immer da. Aber noch nie hab ich sie mir so genau angeschaut wie heute. Was hat sie zu bedeuten? Was hab ich Böses gemacht in meinem letzten Leben? Und wie kann ich es wieder gut machen? Je länger ich den lila Fleck anstarre, desto unheimlicher wird er mir.

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